Fränkische Sagen rund um den Wein

Die Macht und Wucht des Weins läßt Sagen entstehen. Sagenmotive werden wach, wenn ein Würzburger Wirt in Randersacker zu viel trinkt und auf seinem Heimweg Seltsames erlebt. Der schwerbeladene Gastwirt war zur halben Nachtzeit mit seiner Fuhre Most auf dem Heimweg nach Würzburg, das Probieren hatte ihn allzu lange aufgehalten. In der Nähe des Teufelskellers hörte er lautes Schreien und seltsames Brausen in der Luft. Das wilde Heer war im Anzug; voller Angst kroch er unter seinen Wagen und legte sich still auf den Boden. Das rasende Heer kam heran und zapfte seine Fässer an. Er mußte zuhören, wie die Geister schlürften und schmatzten und sich volltranken. Im Nu war alles vorüber, das Heer brauste davon und die Nacht lag wieder still über dem Maintal. Der arme Wirt kroch unter seinem Wagen hervor und trieb seine Pferde rasch zur Heimfahrt an. Daheim angekommen, brachte er die Fässer in seinen Keller und bangte, daß nicht mehr viel darinnen sei. Als er aber am anderen Tag den restlichen Wein seinen Gästen vorsetzen wollte, lobten sie ihn über alles und wollten nur noch von jenem trinken. Wie wunderbar, die Fässer wurden nicht leer. Wie reich hätte der Wirt werden können, wenn er sein Maul gehalten hätte. Aber er konnte das Geheimnis nicht für sich behalten und erzählte seinen Gästen von dem nächtlichen Erlebnis. Als er wieder in seinen Keller zum Zapfen hinabstieg, war er bitter enttäuscht: Die Fässer waren leer bis auf den letzten Tropfen.


Heutzutage gluckert es nicht mehr so in den Weinkellern wie früher, wenn der Bremser in den Fässern gärte und sich regte. Dieses Rumoren und Poltern des jungen Mostes, das in stillen Nächten bis auf die Gassen hinaufdrang, hatte zu vielerlei Sagen Anlaß gegeben. Verstorbene Küfer, die nicht zur Ruhe kommen konnten, hatten plötzlich unten in den Kellern hantiert. So ließ sich im ehemaligen Bannkeller zu Lohr in der Adventszeit ein seltsames Hämmern und Klopfen Vernehmen. Man erzählt sich, daß ein Küfer, der in der heiligen Christnacht in diesen Gewölben weiter-arbeitete und nicht zur Ruhe kam, nach seinem Tode hier sein Unwesen treiben mußte. Ähnlich mag es dem Küfermeister vom Schönbomhof in Aschaffenburg ergangen sein. Er soll oft bis tief in die Nacht hinein an den Fässern herumhantiert haben. Da er auch am Heiligen Abend während der Christmette im Weinlager arbeitete, soll er zur Strafe in seinem Grabe keine Ruhe gefunden haben. Deshalb konnte man sein geisterhaftes Klopfen alle Jahre während der Mette hören. Im alten Schloßkeller von Aschaffenburg soll der Geist eines Kellermeisters spuken. Man sagt, ein Bischof hätte ihn im Zorn mit einem Büttnerschlägel erschlagen, als er ihn beim Diebstahl des besten Hörsteiner Weines erwischt habe.


In den Kellergewölben des Schlosses Mainberg bei Schweinfurt, wo früher die Grafen von Henneberg ihre Weinvorräte gelagert hatten, soll es in früheren Zeiten nachts oft rumort haben. Es hörte sich an, als ob mehrere Küfer zusammen in den michtigen Kellern geschafft hätten. Auch hinter den Kellertüren des Bürgerspitals in Würzburg soll man in manchen Nächten ein Poltern und Lärmen gehört haben. Ein Spitalverwalter, der die Stiftung um etliche tausend Bocksbeutel betrogen haben soll, wäre nach seinem Tod ab und zu die Treppe heraufgekommen und mit einem Bocksbeutel in der Hand durch die Gänge gewandelt.


Das große Faß im Würzburger Hofkeller ist so einzigartig gelungen, daß man sich vom Hofbüttner erzählt, er wäre mit dem Teufel im Bund gestanden. Er hätte seine Seele unter der Bedingung dem Bösen verschrieben, daß er sich für immer einen Rausch antrinken dürfö, wenn das Faß aufgefüllt oder angezapft würde. Im vollen Rausch soll ihn ein Weinteufel die Kellertreppe hinabgestürzt haben, so daß er sich das Genick brach. Deshalb hörten die Küfer immer, wenn sie das Faß neu einfüllten oder den Wein abließen, ein gieriges Schmatzen und Schlürfen. Dann hieß es: Das ist der gespenstige Hofküfer, der sich wieder seinen Rausch antrinken muß.


Alle Jahre werden Sagen wach, wenn der Federweiße in den Gläsern schimmert und der Bremser die Augen glänzend macht. Als der Stadt- und Landmedikus zu Königsberg in Franken zur Herbsteszeit beim dunklen Abend von Haßfurt aus nach Hause ging, zusammen mit einem Landwirt, spazierten plötzlich zu seiner Rechten und Linken Irrwische daher. Der Arzt mag wohl zuviel des Weines getrunken haben. Er meinte zu seinem Begleiter: Kleiner, bet fleißig; denn der Teufel ist gemeiniglich mit im Spiel. Sein Rausch war so groß, daß die Irrwische auf ihn losgingen und ihn foppten. Wie soll er schrecklich ausgesehen haben, als er spät in der Nacht zu Hause in Königsberg angekommen ist.


 

Auszug aus Weinland-Franken mit freundlicher Genehmigung des Echter-Verlag